Suchtverständnis der Fachstelle
Als diakonische Einrichtung nehmen wir den Menschen in seinen gesamten Lebenszusammenhängen und in seiner Umwelt wahr. Eine Abhängigkeitserkrankung betrifft den Menschen in seinem Ganzen. Dies kann sich in körperlichen, psychischen, geistigen und sozialen Schädigungen zeigen.
Persönlichkeitstheorie
Wir verstehen den Menschen als eine Einheit von Körper, Geist und Seele. Menschen leben innerhalb eines bestimmten gesellschaftlichen Rahmens und sind über unterschiedlichste Beziehungen miteinander verbunden.
Jeder hat seine individuellen Stärken und Schwächen. Wir gehen davon aus, dass der Mensch Verantwortung für sich und sein Handeln hat. Hierzu gehört, dass er sowohl seine Möglichkeiten als auch seine Grenzen erkennt und diese akzeptiert oder ggf. bereit ist sie zu verändern. Dies bedeutet, dass der Mensch fähig wird seine eigenen Bedürfnisse und Gefühle wahrzunehmen und sich angemessen mit ihnen auseinander zu setzen.
Sucht versus Abhängigkeit
Sucht hat etymologisch nichts mit „suchen“ zu tun, sondern stammt vom mittelhochdeutschen Wort „siech“ = „krank sein“ ab; heute z.B. noch erhalten in „dahinsiechen“, im Englischen „sick“ oder im Schwedischen „sjuk“.
In Wörtern wie Mondsucht und Tobsucht konnte das Grundwort als „krankhaftes Verlangen“ verstanden werden. Das neuhochdeutsche Sprachgefühl hat das etymologisch undurchsichtige Wort deshalb mit „suchen“ verknüpft, sodass Zusammensetzungen wie Gefall-, Selbst-, Herrschsucht ebenso in diesem Sinn verstanden werden wie die älteren Bildungen Eifersucht und Sehnsucht.
Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) hat den Begriff „Sucht“ deshalb durch den Begriff der „Abhängigkeit“ ersetzt. Heute werden beide Begriffe häufig nebeneinander benutzt.
Krankheitsmodell
Suchterkrankungen verstehen wir als Symptom einer zugrundeliegenden tieferen Störung zu sich selbst und zur sozialen Umwelt.
Definition Abhängigkeit
Abhängigkeit wird verstanden als das zwanghafte Verlangen nach bestimmten Substanzen oder Verhaltensweisen, die Missempfindungen vorübergehend lindern und erwünschte Empfindungen auslösen. Die Substanzen oder Verhaltensweisen werden konsumiert bzw. beibehalten, obwohl negative Konsequenzen für die betroffene Person und für andere damit verbunden sind.
Die Entwicklung von Suchtverhalten ist ein komplexes Geschehen. Trotz unterschiedlicher wissenschaftlicher Erklärungsansätze besteht heute weitgehend Konsens darüber, dass die Entwicklung von
Suchtverhalten nicht monokausal, sondern multikausal bzw. multifaktoriell ist und nicht linear verläuft, sondern sich in einem interaktiven Prozess entwickelt.
Zielgruppen
Unsere Zielgruppen sind suchtmittelabhängige und -gefährdete Menschen von allen stoffgebundenen und nichtstoffgebundenen Süchten (wie z.B. Alkohol, Heroin, Kokain, Essstörungen, Spielsucht etc.) sowie deren Angehörige oder Bezugspersonen.
Unsere Angebote:
Informationen über Suchterkrankungen und Hilfsmöglichkeiten
Beratung
Unterstützung bei der Antragsstellung für eine Entwöhnungsbehandlung
Vermittlung in ambulante sowie stationäre Therapie
Präventionsveranstaltungen in Schulen, Kindergärten, Betrieben, Jugendfreizeitheimen etc.
Durchführung ambulanter Therapien
Durchführung der Weiterbehandlung im Anschluss an eine stationäre Therapie
Psychosoziale Begleitung von Substituierten
Öffentlichkeitsarbeit
Vermittlung in Selbsthilfegruppen
etc...
Unsere therapeutischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind:
Diplom-Sozialarbeiter, Diplom-Sozialpädagogen, Diplom-Psychologen mit einer therapeutischen Zusatzausbildung aus den Bereichen Gestalttherapie, Verhaltenstherapie und psychoanalytisch orientierter Sozialtherapie.
Alle therapeutischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nehmen regelmäßig an Supervisionen und Fortbildungen teil.